Start als Beamtenanwärter.Die Weichen, die dich Jahrzehnte begleiten.
Polizei, Lehramt, Verwaltung, Zoll, Justiz oder Feuerwehr: Mit dem Dienstbeginn musst du Entscheidungen treffen, die du später kaum noch korrigieren kannst. Wir zeigen dir, was wirklich wichtig ist, in welcher Reihenfolge und worauf du achten musst.
Drei Themen sind beim Start wirklich wichtig. Alles andere kann warten.
1. Krankenversicherung
Mit der Ernennung zum Beamten auf Widerruf bist du in der Regel nicht mehr gesetzlich pflichtversichert, und eine Familienversicherung über die Eltern endet. Du brauchst ab dem ersten Diensttag eine Krankenversicherung, die zu deiner Beihilfe passt. Am besten kümmerst du dich darum vor Dienstbeginn. Mit freier Heilfürsorge brauchst du stattdessen eine Anwartschaft und die Pflegepflichtversicherung.
2. Dienstunfähigkeit
In der Ausbildung ist die Versorgung durch den Dienstherrn am schwächsten. Wirst du krankheitsbedingt dienstunfähig, wirst du in der Regel entlassen und bekommst kein Ruhegehalt. Eine Absicherung mit echter DU-Klausel ist deshalb kein Extra, sondern Pflichtprogramm.
3. Haftpflicht mit Dienstbaustein
Über die Eltern bist du in der ersten Ausbildung oft noch privathaftpflichtversichert, dienstliche Schäden sind dort aber meist nicht eingeschlossen. Ein verlorener Dienstschlüssel oder ein beschädigtes Dienstfahrzeug kann teuer werden.
Nicht alle Referendare sind Beamte. Rechtsreferendare stehen in den meisten Ländern in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis und sind dann gesetzlich pflichtversichert. Beamte auf Widerruf sind sie derzeit unter anderem in Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen, in Sachsen nach Wahl. Lehramtsreferendare sind dagegen in den meisten Ländern Beamte auf Widerruf. Prüfe deinen Status, bevor du eine Krankenversicherung abschließt.
Krankenversicherung: Anwärtertarif mit Weitblick.
Für Anwärter gibt es spezielle Einstiegstarife in der privaten Krankenversicherung. Sie sind günstig, aber nicht alle sind gleich gut.
Anwärtertarife kosten oft nur einen Bruchteil des späteren Beitrags, weil in der Ausbildung noch keine Alterungsrückstellungen gebildet werden. Entscheidend ist nicht der Preis heute, sondern was nach der Übernahme passiert:
Der Wechsel in den regulären Beamtentarif muss ohne neue Gesundheitsprüfung funktionieren.
Der Tarif muss exakt zu deinem Beihilfesatz und zu deinem Dienstherrn passen.
Die Gesundheitsfragen müssen vollständig und richtig beantwortet sein. Fehler können später den Versicherungsschutz kosten.
Prüfe, ob dein Land die pauschale Beihilfe anbietet. Die Entscheidung dafür gilt meist dauerhaft.
Alles Wichtige zu Beihilfesätzen, PKV oder GKV und pauschaler Beihilfe findest du im Ratgeber PKV & Beihilfe.
Freie Heilfürsorge? Dann brauchst du eine Anwartschaft.
Polizeibeamte erhalten in vielen Ländern freie Heilfürsorge, oft schon als Anwärter. Das klingt nach Rundumschutz, hat aber einen Haken: Sie endet mit der Pension.
Mit freier Heilfürsorge übernimmt dein Dienstherr deine Krankheitskosten, und zwar auf dem Leistungsniveau der gesetzlichen Krankenversicherung. Eine private Krankenversicherung brauchst du dafür nicht. Die Pflegeversicherung ist aber nicht enthalten: Die Pflegepflichtversicherung musst du selbst abschließen und selbst bezahlen. Wer das versäumt, riskiert ein Bußgeld und Nachzahlungen. In Ländern wie Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Baden-Württemberg und bei der Bundespolizei gilt das während der gesamten aktiven Dienstzeit. Mit dem Eintritt in den Ruhestand endet die Heilfürsorge. Ab dann erhältst du Beihilfe, in der Regel 70 Prozent, und musst die restlichen 30 Prozent privat versichern.
Ohne Vorsorge beantragst du diese PKV erst mit Anfang 60: mit hohem Eintrittsalter und einer neuen Gesundheitsprüfung, bei der Vorerkrankungen aus über 40 Dienstjahren zu Zuschlägen oder Ablehnungen führen können. Die Lösung ist eine Anwartschaftsversicherung. Sie sichert dir heute die spätere PKV.
Was wird gesichert?
Kleine
Große
Dein Gesundheitszustand von heute
Ja
Ja
Dein Eintrittsalter von heute (niedrigerer Beitrag später)
Nein
Ja
Aufbau von Alterungsrückstellungen
Nein
Ja
Kosten (grobe Orientierung)
niedrig
deutlich höher
Für die Pension brauchst du die große Anwartschaft. Bleibt die Heilfürsorge bis zum Ruhestand bestehen, ist sie die richtige Wahl für die aktive Dienstzeit, denn nur sie hält dein niedriges Eintrittsalter fest.
Unser Tipp für Anwärter: Starte in der Ausbildung oder im Studium mit der günstigeren kleinen Anwartschaft. Bestehst du die Ausbildung nicht, kannst du sie ohne großen Verlust kündigen. Bestehst du, wandelst du sie in die große Anwartschaft um, ohne neue Gesundheitsprüfung. Wichtig: Lass dir vor Abschluss schriftlich bestätigen, ob und bis wann der Tarif diese Umwandlung ohne Gesundheitsprüfung erlaubt. Die Bedingungen unterscheiden sich je nach Versicherer.
Achtung, Polizei Berlin: Anwärter im mittleren Dienst der Schutzpolizei erhalten nur während der Ausbildung Heilfürsorge. Mit der Übernahme endet sie, und du musst in die private Krankenversicherung wechseln, mit 50 Prozent Beihilfe und 50 Prozent PKV. Das überrascht viele, weil in der Ausbildung alles bezahlt wurde. Wer schon in der Ausbildung eine kleine Anwartschaft abschließt, sichert sich für diesen Wechsel den Gesundheitszustand von heute. Ähnlich ist es bei der Bereitschaftspolizei in Bayern und im Vorbereitungsdienst in Thüringen.
Heilfürsorge bis zur Pensionz. B. Polizei in NRW, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Bundespolizei
AusbildungHeilfürsorgekleine Anwartschaft
Aktive DienstzeitHeilfürsorgegroße Anwartschaft
Pension70 % Beihilfe + 30 % PKVPKV ohne neue Gesundheitsprüfung
Heilfürsorge nur in der Ausbildungz. B. mittlerer Dienst der Schutzpolizei Berlin
AusbildungHeilfürsorgekleine Anwartschaft
Ab der Übernahme50 % Beihilfe + 50 % PKVWechsel in die PKV
Pension70 % Beihilfe + 30 % PKV
In allen Phasen: Die Pflegepflichtversicherung schließt du selbst ab und zahlst sie selbst, auch mit Heilfürsorge.
In einigen Ländern kannst du auf die Heilfürsorge verzichten und stattdessen Beihilfe wählen, zum Beispiel in Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Diese Entscheidung ist in der Regel unwiderruflich.
Dienstunfähigkeit: Jetzt ist der beste Zeitpunkt.
Wer jung und gesund ist, denkt selten an Dienstunfähigkeit. Genau deshalb ist jetzt der richtige Moment.
Gesundheit von heute sichern: Jede Diagnose, die später dazukommt, kann zu Ausschlüssen oder Ablehnungen führen.
Niedrige Beiträge: Der Beitrag richtet sich nach deinem Eintrittsalter.
Echte DU-Klausel: Nur sie zahlt zuverlässig, wenn dein Dienstherr dich entlässt oder in den Ruhestand versetzt.
Polizei, Feuerwehr, Justizvollzug: Hier brauchst du zusätzlich eine spezielle Klausel für deinen Vollzugsdienst.
Wichtig: Die Wartezeit von fünf Jahren für ein Ruhegehalt beginnt bereits mit deinem ersten Tag als Anwärter. Bis sie erfüllt ist, gibt es bei Krankheit oder Freizeitunfall in der Regel keine Versorgung. Mehr dazu im Ratgeber Dienstunfähigkeit.
So geht es nach der Ausbildung weiter.
Deine Absicherung wächst mit deiner Laufbahn. An diesen Punkten schauen wir gemeinsam wieder drauf.
Übernahme auf Probe
Der Anwärtertarif wird auf den regulären Beamtentarif umgestellt. Jetzt prüfen wir, ob Beitrag, Leistungen und DU-Absicherung zu deinem neuen Einkommen passen.
Lebenszeit
Deine Versorgung durch den Dienstherrn wird besser. Die private Absicherung wird darauf abgestimmt, damit du nicht doppelt zahlst.
Familie und Umzug
Heirat, Kinder oder ein Wechsel des Dienstherrn verändern deine Beihilfe. Ein kurzer Hinweis per WhatsApp genügt, wir passen alles an.
Die häufigsten Fehler beim Start.
Diese Fehler sehen wir bei Anwärtern immer wieder. Fast alle lassen sich mit einem Gespräch vor Dienstbeginn vermeiden.
Den günstigsten Anwärtertarif genommen, ohne auf den späteren Beamtentarif zu schauen.
Gesundheitsfragen unvollständig beantwortet, weil der Abschluss schnell gehen sollte.
Die Dienstunfähigkeit auf später verschoben, bis eine Diagnose den Abschluss erschwert.
Eine BU ohne echte DU-Klausel abgeschlossen.
Sich auf die Haftpflicht der Eltern verlassen, ohne dienstliche Schäden abgesichert zu haben.
Als Rechtsreferendar eine PKV abgeschlossen, obwohl Versicherungspflicht in der GKV besteht.
Häufige Fragen von Anwärtern
Muss ich als Beamtenanwärter in die private Krankenversicherung?
Nein, Pflicht ist sie nicht. Als Beamter auf Widerruf hast du aber Anspruch auf Beihilfe, meist 50 Prozent. Für die meisten Anwärter ist deshalb die Kombination aus Beihilfe und privatem Anwärtertarif die günstigste Lösung. In Ländern mit pauschaler Beihilfe kann auch die gesetzliche Krankenversicherung eine Option sein.
Wann sollte ich mich um die Krankenversicherung kümmern?
Am besten vor dem ersten Diensttag. Mit der Ernennung endet in der Regel deine bisherige Versicherung, zum Beispiel die Familienversicherung über die Eltern, und du brauchst ab dem ersten Tag Versicherungsschutz.
Ich bekomme freie Heilfürsorge. Brauche ich trotzdem eine private Krankenversicherung?
Während der aktiven Dienstzeit nicht. Die Heilfürsorge endet aber mit dem Ruhestand, danach erhältst du Beihilfe und musst den Rest privat versichern. Damit du dann nicht mit hohem Eintrittsalter und neuer Gesundheitsprüfung startest, brauchst du eine Anwartschaftsversicherung. Unser Tipp: in der Ausbildung die günstigere kleine Anwartschaft, nach bestandener Ausbildung die Umwandlung in die große. Die Pflegepflichtversicherung musst du in jedem Fall selbst abschließen und bezahlen.
Was ist der Unterschied zwischen kleiner und großer Anwartschaft?
Beide sichern deinen heutigen Gesundheitszustand. Die große Anwartschaft hält zusätzlich dein Eintrittsalter fest und baut Alterungsrückstellungen auf, deshalb ist dein Beitrag später deutlich niedriger. Sie kostet dafür mehr. Wer bis zur Pension Heilfürsorge hat, braucht für die aktive Dienstzeit die große Anwartschaft.
Ich bin Polizeianwärter im mittleren Dienst in Berlin. Was passiert nach der Ausbildung?
In der Ausbildung erhältst du freie Heilfürsorge. Mit der Übernahme endet sie, und du wechselst in die Beihilfe: 50 Prozent übernimmt der Dienstherr, 50 Prozent musst du privat versichern. Mit einer kleinen Anwartschaft während der Ausbildung sicherst du dir für diesen Wechsel deinen heutigen Gesundheitszustand.
Sind Referendare auch Beamte?
Das hängt vom Bereich und vom Land ab. Lehramtsreferendare sind in den meisten Ländern Beamte auf Widerruf. Rechtsreferendare stehen dagegen meist in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis und sind gesetzlich pflichtversichert. Beamte auf Widerruf sind sie derzeit unter anderem in Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen, in Sachsen nach Wahl.
Was passiert, wenn ich als Anwärter dienstunfähig werde?
Das ist die kritischste Situation. Bei Krankheit oder einem Unfall in der Freizeit wirst du in der Regel entlassen und bekommst kein Ruhegehalt, sondern wirst nur in der gesetzlichen Rentenversicherung nachversichert. Nur nach einem Dienstunfall greift die Unfallfürsorge. Eine private Absicherung mit echter DU-Klausel ist deshalb existenziell wichtig.
Bin ich über meine Eltern haftpflichtversichert?
Oft ja, solange du dich in der ersten Ausbildung befindest und unverheiratet bist. Dienstliche Schäden, etwa der Verlust eines Dienstschlüssels, sind in der Haftpflicht der Eltern aber meist nicht eingeschlossen. Das sollte geprüft werden.
Was passiert mit meiner PKV, wenn ich nach der Ausbildung nicht übernommen werde?
Dann kommt es auf deinen neuen Status an. Wirst du zum Beispiel Angestellter und verdienst weniger als die Versicherungspflichtgrenze (2026: 77.400 Euro brutto im Jahr), wirst du gesetzlich pflichtversichert und kannst die PKV beenden. In anderen Fällen lässt sich der Tarif anpassen.
Was kostet die Beratung?
Nichts extra. Als Makler werden wir von den Versicherungsgesellschaften vergütet. Diese Vergütung ist in den Beiträgen bereits enthalten, du zahlst bei uns also nicht mehr als beim direkten Abschluss.
Geprüft von Okan Ertas, Versicherungskaufmann (IHK) und unabhängiger Versicherungsmakler, spezialisiert auf Beamte. Stand: November 2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle Beratung; Regeln unterscheiden sich je nach Dienstherr.
Ein kurzes Gespräch vor Dienstbeginn erspart dir Fehler, die du jahrzehntelang mitträgst. Kostenlos, unverbindlich und deutschlandweit per WhatsApp, Telefon oder Video.